Ralf Baumeister

 

Die Urnenfelder- und Hallstattkultur im Kraichgau

Eine kultur- und siedlungsgeschichtliche Betrachtung zum Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit

 

Freiburger Dissertationen N° 9 | Freiburg 2002 l

ISBN 3-930369-18-8 | Mikrofiche l EUR 7,00

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Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Beschreibung und Interpretation urnenfelder- bis latènezeitlicher Bodenfunde in ihrer räumlichen und zeitlichen Dimension sowie deren kulturelle Einbindung in einen überregionalen Gesamtkontext. Intentionell soll dabei sowohl die flächenhafte wie die chronologische Verteilung prähistorischer Siedlungen vor dem Hintergrund eines nach Relief, Geologie und Bodentyp aufgebauten Landschaftsausschnittes erfaßt als auch die Frage möglicher Ökologie- und Umweltabhängiger Kulturprozesse nachgegangen werden. Prinzipiell lassen sich im Rahmen einer siedlungsarchäologischen Studie zwei gleichberechtigte meethodische Wege aufzeigen; entweder man wählt eine Kultur zum Ausgangspunkt der Analyse und verfolgt ihre Entwicklung in den verschiedenen geographischen Räumen oder man untersucht innnerhalb eines vorgegebenen geographischen Rahmens die innere Siedlungsabwicklung. Auch diese Studie geht von den naturräumlichen Haupteinheiten als ökologisch bestimmten und abgrenzbaren Lebensräumen aus. Dahinter steht die im allgemeinen unausgesprochene Prämisse eines menschlichen Verhaltens als „Ausweichbewegung vor dem Druck der Umwelt“, die es im siedlungsgeschichtlichen Teil dieser Arbeit zu interfragen gilt. In diesem Zusammehang ist die naturräumliche Heterogenität Voraussetzung dafür, diachron Unterschiede in der Siedlungsplatzwahl interpretieren zu können, denn Wahl setzt Vielfalt des (Raum-)Angebotes voraus. In einer völlig gleichförmig gestalteten Landschaft wären Verbreitungsunterschiede höchstens in der Dichte, nicht jedoch in der flächenhaften Struktur des Fundbildes zu erwarten. Gleichzeitig muß das Arbeitsgebiet ausreichend groß, in ihrer physischen Geographie einigermaßen homogene Teilgebiete aufweisen, um qualitativ relevante Aussagen über Verbreitungsmuster und Lagetypen zuzulassen. Die Interpretation prähistorischer besiedlungsläufe basiert methodisch auf zwei Hauptkomponeneten: Die synchrone Betrachtungsweise, welche die Fundstellenverteilung einer Zeitstufe mit den naturräumlichen Faktoren und Merkmalen in Bezieheung setzt, mit dem Ziel, potentielle Siedelräume eines Zeitabschnittes eingrenzen zu können; je spezifischer die Verteilung der topographischen und geologischen Merkmalle, desto enger läßt sich der potentielle Siedelraum einer Periode abgrenzen. Die diachrone Betrachtungsweise zielt auf das Erkennen der Siedlelabläufe und auf eine Interpretation ihrer möglichen Ursache; zentrale Fragen sind in diesem Zusammenhang Kontinuität / Diskontinuität von Siedlung bzw. Siedlungsraum, Landesausbau bzw. Wüstungserscheinungen sowie innere Struktur und Entwicklung. Gleichzeitig eröffnen sich dank der Fortschritte der Dendrochronologie und der im letzten Jahrzehnt forcierten Klimatologie auch ffür die siedlungsarchäologische Forschung völlig euartige Wege, indem durch die Verknüpfung von Klimadaten mit prähistorischen Entwicklungen die regelhafte Bezieheung bzw. Abhängigkeiten zwischen Klima-, Besiedlungs- oder gar Kulturentwicklung nunmehr kritisch hinterfragt werden können.