Mathias Dumbs

In heimatlicher Fremde

 

 

 

 

Jos Fritz-Verlag Freiburg 2013 | ISBN  978-3-928013-65-9 | 122 Seiten | EUR 9,80 

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Was ist typisch für Japan? Wie lässt es sich ein fremdes Land begreifen? Wie beeinflussen kollektive Mentalitäten einen einzelnen Menschen? Solche und andere Fragen durchziehen ein neues Buch über Fragen der kulturellen Identität eines Menschen, die am Beispiel Japans geschildert werden. Sie bilden den roten Faden, mit dessen Hilfe sich der Leser durch die fremde Kultur des Landes bewegt.

 

Das Buch lässt sich einerseits als Einführung in die Kunst, Kultur und in Denkweisen des ostasiatischen Landes lesen. Auch der Japan-Kenner oder Japaner wird Beobachtungen und Fragen finden, die sein Verständnis fördern oder ihn zum Nachdenken anregen. Wer darüber hinaus nach der kulturellen Identität des Menschen überhaupt fragt, wird am konkreten Beispiel einige allgemeine Antworten darauf finden, wie sich der Einzelne zu kollektiven Verhaltensweisen stellen kann.

 

In dem Buch begleitet der Leser einen Freiburger Studenten der europäischen Kunstgeschichte, der einem Elternhaus mit einer japanischen Mutter und einem Freiburger Vater entstammt. Da der Student Japan außer als Kleinkind von früheren Aufenthalten her nicht kennt, will er seine ihm fremde Teilheimat nun verspätet kennenlernen. Sein Verständnis versucht er mit Hilfe der Kunst zu gewinnen. Der Leser folgt dem Studenten auf vier Reisen, die das Land in den vier Jahreszeiten erkunden. Konrad, der Student, findet Aufnahme in der Verwandtschaft seiner Mutter und bereist mit einer Cousine, die wie er Studentin ist, die Region Kansai mit Kyôto und die weitere Umgebung. Dabei bleibt nicht aus, dass er Sympathien für seine charmante Begleiterin Haruka entwickelt. Im Gang seiner Reisen stellt er Fragen nicht nur an das Land, sondern zunehmend auch an sich selbst.

 

Die Lektüre verhilft dem Leser zu Einblicken in die fremde Kultur, die doch bewusst fragmentarisch bleiben. Der Autor übernimmt die japanische Vorliebe, Fragen offen zu lassen, und überführt sie in einen Erzählstil, der Eigenheiten der europäischen und japanischen Erzählkultur in sich aufnimmt. Auch das ostasiatische und einheimische Naturverständnis finden zu einer Synthese. Der Inhalt spiegelt sich nicht zuletzt auch in dem sorgsam gewählten übersichtlichen Aufbau des Texts.

 

Hierdurch ergibt sich ein vielschichtiges Bild eines modernen Industriestaats, das sich durch prägnante Beobachtungen ebenso wie durch zarte Schilderungen auszeichnet. Das Buch wendet sich nicht nur an Leser, die sich speziell für Japan oder für die Integrationsproblematik allgemein interessieren. Es spricht auch solche an, die sich gerne von dezenten Liebesgeschichten gefangennehmen lassen, oder die einfach nur schön geschriebene Texte genießen wollen.